Interkulturelles Lernen

Interkulturelle Bildung
Erste Zugänge zu fremden Kulturen im Primärbereich

In meiner Facharbeit im Rahmen des Berufsanerkennungspraktikums werde ich mich mit den Chancen und Problemen der interkulturellen Entwicklung auseinander setzen.

Dazu ist es mir wichtig diese Entwicklung, spezifisch in Deutschland, aufzuzeigen, um so bessere Rückschlüsse für mein pädagogisches Handeln ziehen zu können.

Zuwanderung und Multikulturalität sind Prozesse, welche aufgrund der fortschreitenden Globalisierung mittelfristig die Veränderung der Gesellschaft vorantreiben. Auf diese Veränderung sollte adäquat reagiert werden. Gerade in Deutschland, welches schließlich im Herzen Europas liegt, müsste heute mehr denn je gelernt werden, die sich bietenden Chancen der europäische Union entsprechend zu nutzen. Es kommt zu einer Begegnung verschiedenster Wertvorstellungen, kultureller Errungenschaften und Lebensvorstellungen. Diese nun aufeinander treffenden Einflüsse sollten zu einer Neuorientierung, nicht nur in der Pädagogik anregen.

Aufgrund von geschichtlichen Hintergründen und grassierendem Alltagsrassismus in Deutschland sowie auch in anderen Ländern der europäischen Union, werden Konzepte notwendig, die Ängste auf allen Seiten abbauen und ein offenes Miteinander fördern.

Dazu kommt mein persönliches Interesse an der Thematik. Immer wieder begegnet mir in meinem persönlichen Umfeld die Problematik Angst vor Fremden, oder sogar heftigste psychische und physische Gewalt gegen Menschen anderer Herkunft und anderer Meinung. Dies ist augenscheinlich, gerade in den ländlichen Gegenden, ein immer auffälligeres Problem, dem unbedingt, in Form von Aufklärung und interkulturellen Arbeitsweisen, entgegen zu treten ist, und dass nicht nur in Einrichtungen der offenen Jugendarbeit.

Mein Ziel ist es eine Übersicht über die Entwicklung der Bevölkerung Deutschlands zu erarbeiten um anhand dieser Ergebnisse Rückschlüsse für mein weiteres pädagogisches Handeln ziehen zu können.
Im Rahmen der angegliederten Projekteinheit zum Thema werde ich gemeinsam mit meiner Stammgruppe einen Einstieg in diese Thematik wagen. Dabei geht es mir, in Anbetracht des Klientel und des mir zur Verfügung stehenden Zeitrahmens, darum, den Kindern die Situation vor ihrer Haustür begreiflich zu machen und ihnen die Verschiedenheit der Kulturen vor Augen zu führen.

Begriffserklärung

Soziokulturelles Lernen

Soziokulturell bezeichnet den engen Zusammenhang zwischen sozialen und kulturellen Aspekten gesellschaftlicher Gruppen und ihren Wertsystemen.

Dabei sind Sozialität und Kultur die Grundlage zur Bildung einer eigenen Identität. Das Kind entdeckt sich Selbst und die Wirkung die es auf seine Umwelt hat. Es fängt an sich als Teil der Gesellschaft zu verstehen. Durch diesen Erkenntnisprozess setzt es sich mit Normen und Werten seiner Umwelt auseinander und identifiziert sich mit Ihnen. Ziel ist es hierbei, ein gefestigtes, selbstbewusstes Ich zu schaffen, was sich seiner Umgebung nicht verschließt, sondern sich offen integriert und einbringt. Mit einem positiven Selbstwertgefühl schafft es ein Kind, auf sich selbst und auf sein Umfeld, die Gesellschaft, zu achten und für sich und für Andere Verantwortung zu übernehmen. Diese Interaktionsfähigkeit wird deutlich durch Beziehungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Solidarität und Konfliktfähigkeit. Kinder können erst dann gemeinsam und solidarisch handeln, wenn sie sich Selbst und ihre Bedürfnisse wahrnehmen und gegenüber Anderen ausdrücken können. Weiter ist es wichtig, dass sich Kinder kritisch mit ihren Rollen in Gruppen, der Gesellschaft und der Umwelt auseinander setzen können und ihre Rollen ebenso an persönliche Bedürfnisse anpassen. Prägend für diesen Prozess sind zum Einen soziale Bindungen, die bei jedem Menschen von Geburt an bestehen. Je nach Umfeld und Milieu werden durch diese sozialen Bindungen verschiedenste Werte und Normen kennen gelernt und erlebt. Zum Anderen sind Kinder in bestimmte gesellschaftliche und kulturelle Kontexte eingebunden und werden durch diese geprägt. Im Erziehungsalltag müssen soziale Bindungen positiv gestaltet werden, damit Kinder das Leben als wertvoll betrachten und somit auch andere Menschen, Kulturen und Religionen achten können.

(Vgl. Thüringer Bildungsplan S. 104f, http://de.wikipedia.org/wiki/soziokulturell)

Interkulturelles Lernen

Das interkulturelle Lernen, welches auch als globales Lernen bezeichnet wird, ist eine Form des sozialen Lernens, die das Ziel hat, interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln. Die Ziele des interkulturellen Lernens sind der bewusste und kritische Umgang mit Stereotypen, der Aufbau von Akzeptanz gegenüber anderer Kulturen, dass Verstehen von Fremden, die Überwindung von Ethnozentrismus (als Form des Nationalbewusstseins), sowie das Erlangen von Verständnis für die eigene Kultur und Enkulturation als Hineinwachsen in die Gesellschaft.

(Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/interkulturelles_lernen / Wahrig Fremdwörterlexikon 2, S. 258 und S. 272)

Integration

„Integration bedeutet in der Soziologie die Wiederherstellung eines Ganzen durch Prozesse, die das Verhalten und Bewusstsein nachhaltig verändern. Integration kann einerseits zwischen einzelnen Individuen gegenüber Gruppen, andererseits zwischen Gruppen, Schichten, Kulturen und Klassen innerhalb einer Gesellschaft untereinander und weiter noch zwischen verschiedenen Gesellschaften stattfinden. Ziel jeglicher Integration ist die Herausbildung neuer sozialer Strukturen und sozialer Ordnungen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Integration_(Soziologie))

Kultur

Jede Kultur ist für die jeweilige Gesellschaft ein „sehr typisches Orientierungssystem“ (Interkulturelle Kommunikation, Helga Losche, 16). In diesem System sind jeweilig spezifische Symboliken und Gebräuche enthalten, welche bestimmend im Zusammenleben sind. Jedes Orientierungssystem beeinflusst die Wahrnehmung, das Denken, das Handeln und Werten ihrer Mitglieder, worüber wiederum, eine Zusammengehörigkeit zur jeweiligen Gesellschaft signalisiert wird. Die Entwicklung von spezifischen Handlungsfeldern ist unumgänglich für den Erwerb spezieller Formen zur Umweltbewältigung.

Die Entfaltung einer speziellen Kultur bedeutet jedoch nicht den Verbleib auf diesem Zustand. Kulturen sind wandelbar, sogar von einem ständigen Wandel beeinflusst. „Innovative intrakulturelle Schübe nehmen hier genauso Einfluss, wie die Übernahme fremd kultureller Handlungen und Symbole“ (Interkulturelle Kommunikation, Helga Losche, S. 18).

(Vgl. Interkulturelle Kommunikation, Sammlung praktischer Spiele und Übungen, Helga Losche S. 16ff)

Soziokulturelles Lernen im Thüringer Bildungsplan

Soziale und kulturelle Bildungsprozesse finden wir in nunmehr fast jeder Lebenssituation, in unserem alltäglichen Erleben, bei Festen und Ritualen in der Familie und in den verschiedensten Gruppen außerhalb dieser. Hier bekommen unsere Kinder Antworten auf Lebens- und Wertefragen, dabei sollte aber nicht der Sozialisationsrahmen der entsprechenden Kinder vergessen werden. Diese Rahmenbedingungen sollten so offen wie möglich gestaltet werden, damit jedes Kind die Möglichkeit erhält Einblick in verschiedene Kulturen und Wertvorstellungen zu bekommen, diese somit kennen zu lernen und sich dabei mit ihnen auseinander setzen zu können.

Da unsere Kinder aus verschiedenen sozioökologischen Umfeldern kommen verfügen sie über unterschiedliche Zugänge zu gesellschaftlichen und kulturellen Erlebnissen und Erfahrungen. Dies sollte bei der gemeinsamen Arbeit nicht außer acht gelassen werden. Hier sind wir als Erwachsene, Begleiter und Anleiter gefordert auf die Individualität jedes Einzelnen einzugehen um somit Frustrationen entgegen zu wirken und Talente und Stärken zu fördern.

Damit soziokulturelle Bildungsprozesse angeregt und gefördert werden können, sollte das Kind eine feste Bindung zu seinen Bezugspersonen erfahren können, denn in einem sichern, gefestigten Umfeld hat das Kind die Möglichkeit sich selbst auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln, zu lernen und sich Selbst in seiner Umgebung zu entdecken. Durch Wertschätzung, als Rückkopplung in der Interaktion miteinander, erfahren die Kinder etwas über die Außenwirkung ihres Selbst auf die eigene Umwelt. So erlernt jedes Kind den Umgang mit den verschiedenen Werten und damit wiederum Verantwortung zu übernehmen und sich mit der Veränderlichkeit ihrer Welt Auseinander zusetzen. Dadurch können die Kinder Antworten auf Fragen des Lebens bekommen und Geschehenes von ihrem eigenen Standpunkt und ihren kognitiven Fähigkeiten entsprechend zu reflektieren. Damit
einhergehend lernen sie die Unterscheidung von festgeschriebenen Grundwerten und Regeln des täglichen Lebens kennen und verstehen. Im Zuge dieses Prozesses bilden Kinder ihre eigene Identität und schaffen sich so auch ein Bild über Andere und ihre Umwelt. Das befähigt die Kinder dazu Regeln anzuerkennen, sie selbst aufzustellen und mit anderen zu verhandeln. Hierbei bietet das Spiel den Kindern die Möglichkeit eigene Regeln auszuprobieren und an die Bedürfnisse der Spielpartner anzupassen.

Wenn diese Bedürfnisse erfüllt werden erlangt das Kind die Fähigkeit sich in andere Perspektiven hinein zu versetzen. Durch die dadurch entstehende Empathiefähigkeit kann das Kind Perspektiven Anderer verstehen. Dies ist existenziell für den Umgang untereinander, egal, ob es sich bei der betreffenden Gruppe um eine multikulturelle oder monokulturelle handelt.

(Vgl. Thüringer Bildungsplan S. 106ff)

Notwendigkeit sozio- und interkulturellen Lernens

Die Notwendigkeit des sozio- und interkulturellen Lernens, gerade im heutigen geöffneten Europa mit nunmehr 27 verbundenen Ländern, ist de facto nicht mehr von der Hand zu weisen, um ein gemeinschaftliches und vorurteilsfreies Zusammenleben zu gewährleisten. Durch die Rolle Deutschlands, wie auch die seiner europäischen Nachbarn, als Einwanderungsland und „Zufluchtsstätte“ für Menschen die vor Hunger, Armut und Krieg flüchten müssen, ist es notwendig geworden von dem überholten Bild einer homogenen Nation Abstand zu nehmen. Ein neues Bewusstsein für die eigene geschichtliche Vergangenheit und Herkunft Deutschlands, aber auch die Herkunft alltäglichster Bräuche, Kulturgüter, existenzieller Waren, ja sogar der Sprache muss wieder in den Fokus der Bildung gerückt werden, um ein besseres Verständnis für sich und seine Umwelt zu schaffen. „Trachte nicht danach den Anderen zu erkennen, bevor du dich nicht selbst erkannt hast.“ (Richard von Weizsäcker)

Integration kann nur funktionieren, wenn jeder einzelne auch etwas über den anderen erfährt. Ein neben einander her leben, führt nicht zu der wünschenswerten Begegnung und Zusammenfindung der Menschen und Kulturen, sondern zur Ausbildung von Vorurteilen und Abgrenzung, wie sie in einigen großen Städten Deutschlands bereits sichtbar sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für die Notwendigkeit sozio- und interkultureller Bildung spricht, ist der Umstand, dass gerade ausländerfeindliche und rechtsextremistische Strukturen diesbezügliches Unwissen nutzen, um gegen Integration und ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben, nicht Nebenher leben, zu hetzen, und Urängste und Vorurteile für ihre Zwecke bedienen. Dem kann, meiner Meinung nach, nur begegnet werden, wenn schon im Primärbereich eine Auseinandersetzung mit sozio- und interkulturellen Themen und Problemen begonnen wird.

Die Notwendigkeit spezieller Bildungsinhalte betreffen aber nicht nur die deutschen Kinder und Jugendlichen, sondern auch die Kinder mit Migrationshintergrund. Hierbei gibt es noch enorme Schwierigkeiten und reichlich Handlungsbedarf.

Das Schulsystem als Hindernis bei der Integration

Ein generelles Problem, sehe ich in dem dreigliedrigen Schulsystem. Diese Art der schulischen Bildung existiert so, in keinem anderen europäischen Land. Durch die Aufteilung in Gymnasium und Regelschule (mit den Chancen des Erwerbs eines Haupt- oder Realschulabschlusses), welche im Regelfall nach der vierten Klasse, also im Alter von etwa zehn Jahren entschieden wird, kommt es zu einer sehr frühen Selektion der SchülerInnen. Dies retardiert die Chancen ausländischer wie deutscher Schüler gleichermaßen. An dieser Stelle wäre ein baldiges Umdenken und eine Orientierung an unseren skandinavischen Nachbarn von großer Wichtigkeit für die nachfolgenden Generationen von Kindern und SchülerInnen.

Sichtbar wird dies in Anbetracht der nachfolgenden Zahlen:

„Von den Schulabsolvent(inn)en mit Ausländerstatus hatten 1999 nur 10,9% die allgemeine Hochschulreife. 40% erreichten den Hauptschulabschluss , rund 15% blieben ohne jeden Abschluss. Zum Vergleich: von den „deutschen“ Schülern erlangten 29% die allgemeine Hochschulreife.

45 bis 50% der jungen Erwachsenen ausländischer Herkunft sind ohne Berufsabschluss, dagegen „nur“ rund 12% der deutschen Vergleichsgruppe.

(…)

Minderheitensprachen [wie beispielsweise sorbisch] werden nur in ein paar wenigen Modellversuchen mit bilingualen Schulen oder Klassenzügen als Unterrichtssprache verwendet.“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S. 64)

(Vgl.: Einführung Erziehungswissenschaften, Georg Auernheimer (Hrg.), S. 64)

Gesellschaftliche Entwicklung der BRD

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte die so genannte Arbeitermigration ein, in dieser Zeit reagierte die Pädagogik noch gar nicht, da viele der MigrantInnen vorerst ohne ihre Familien nach Deutschland kamen. Da die Anzahl der MigrantInnen im schulpflichtigen Alter statistisch noch nicht so stark ins Gewicht fiel, wurde lediglich die allgemeine Schulpflicht auf diese Gruppe von SchülerInnen ausgeweitet. Die Diskussionen rund um das Themengebiet der interkulturellen Erziehung begannen in der Bundesrepublik mit den 70er Jahren, beschränkten sich jedoch ausschließlich auf die „Ausländerpädagogik“.

In den 70er Jahren kam es zu einem vermehrten Familiennachzug der so genannten Gastarbeiter, dennoch reagierten die zuständigen Behörden nicht und grenzten das Thema bei der geführten Debatte um einseitige Mittelschichtorientierung der Schule, die Sprachbarrieren für Arbeiterkinder und das Ziel der sozialen Integration fast vollkommen aus.
Mit Beginn der 80er Jahre rückte der Begriff „interkulturell“ erstmals in den Fokus der Diskussionen. In dieser Zeit wurden die ersten Publikationen zu den Themen „Gastarbeiterkinder“ und „Ausländerkinder“ von Müller und Koch herausgegeben, diese dienten „der ersten Bestandsaufnahme und Problemvergewisserung“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S.37) und setzte den Fokus der pädagogischen Arbeit auf den Abbau von Sprachdefiziten. Dies sollte der regelschulische Bereich absichern. Hierfür wurde weiter eine so genannte Doppelstrategie entwickelt, diese sollte die schulische Integration mit Hilfe des Deutschlernens gewährleisten und gleichzeitig die Rückkehrfähigkeit in das jeweilige Heimatland zu erhalten, indem die jeweiligen Schüler in ihrer Muttersprache unterrichtet wurden. Die Entwicklung, hin zu einer multikulturellen Gesellschaft, wurde in dieser Zeit nicht einmal in Erwägung gezogen. Bedingt durch die wirtschaftliche Rezession und den damit verbundenen Abbau der Metall- und Textilindustrie,, kam es, nach der Ausbreitung der Ausländerbeschäftigung in den 60er und 70er Jahren, nun, mit Beginn der 80er Jahre, zu einer Benachteiligung der Gastarbeiter und ihrer Familien auf den deutschen Arbeitsmarkt. Sichtbar wurde dies insbesondere in der zweiten Generation der Gastfamilien, bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.
Mit Beginn der 80er Jahre erhielten außerschulische Praxisfelder in Jugendarbeit und Sozialarbeit einen neuen Stellenwert, dies wurde in zahlreichen Diskussionen in der Pädagogik sichtbar. Auch kam die wissenschaftliche Öffentlichkeit zu der Einsicht, dass die Bundesrepublik ein Einwanderungsland geworden ist. Richtungsweisend hierfür hätte das „Kühn-Memorandum“ sein können. In Diesem beschrieb Heinz Kühn Leitlinien die beachtenswert sind, jedoch jahrzehntelang ohne Erfolg blieben. Empfehlungen von Kühn sind beispielsweise, die Option auf Einbürgerung, das Wahlrecht bei Kommunalwahlen und der Anspruch auf größere rechtliche Sicherheit.

„Der Übergang von der `Gastarbeiterbeschäftigung´ zur ´Einwanderung´ markiert den entscheidenden Problemwandel. Diese Einsicht gab den Anstoß dazu, sich stärker als bisher mit pädagogischen Konzepten und Ansätzen der Migrationsforschung aus den USA und anderen Migrationsländern“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S. 38) zu beschäftigen. Die hierzu in den Jahren 1980 und 1981 entstandenen Veröffentlichungen von Esser und Hackmann bestärkten die Pädagogik dahingehend die Kulturen der Migranten zu würdigen und Konzepte zur interkulturellen Erziehung, ähnlich der in älteren Einwanderungsländer, zu entwickeln. Grundvoraussetzung dafür war die Anerkennung der Migranten als dauerhaften Bestandteil einer multikulturellen Gesellschaft. Wesentliche Impulse hierfür verdanken wir Arbeitsgruppen des Europarates, diese propagierten erstmals „die Anerkennung der Vielfalt und der interkulturellen Begegnung“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S. 40). In Folge dessen entstanden erste Projekte und Ideen die unter dem Namen der interkulturellen Erziehung standen. Hier bildeten sich zwei unterschiedliche Tendenzen heraus, die der „Konfliktbearbeitung“ und die der „interkulturellen Begegnung und Bereicherung“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S. 40).

Mit den 80er Jahren kam es zu Grundsatzdiskussionen, welche sich mit der Definierung der Kulturbegriffe und der Identitätsfrage auseinander setzten. Diese brachten einen Wandel mit sich, der sich nun eher an den Migrantenkulturen als an den Herkunftskulturen orientierte. Mitte der 80er Jahre entbrannte eine Kontroverse um „Kulturrelativismus versus Universalismus“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S. 40) in deren Diskussionsverlauf sich zwei divergente Linien entwickelten.

Zum einen sah und sieht eine Gruppe von Wissenschaftlern in den rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für Ausländer, eine Benachteiligung und somit Diskriminierung. Hier sehen sie das ausschlaggebende Problem und somit die Lösung, in der strukturellen und sozialen Integration. Dies würde beispielsweise eine Gleichsetzung in den sozialen Chancen mit sich bringen, und somit kulturelle Hintergründe des einzelnen ins Abseits rücken. Dem standen Positionen gegenüber, die eine Lösung durch bilinguale-bikulturelle Bildung in das Auge fasste. Hier wird das Hauptaugenmerk in der Erziehung zur interkulturellen Verständigung gesehen, dadurch soll Diskriminierung abgebaut und zum gegenseitigen Miteinander beigetragen werden. Unter den gegebenen Umständen ist dies jedoch, bis heute, nicht in der breiten Umsetzung möglich.

Mit dem Ende der 80er Jahre kam es zu einem sehr starken Zuwachs der Aussiedler aus osteuropäischen Ländern. In diesem Zustand wurde vorerst kein Handlungsfeld für die interkulturelle Erziehung gesehen, da diese Menschen durch den politischen Grundsatz als deutsche gewertet wurden. Sprachförderungsmaßnahmen erschienen vorerst als einzige Maßnahme für zweckmäßig erachtet, bevor im Nachgang kulturelle Unterschiede und Konflikte, welche unter anderen auf die verschiedenen historischen Erfahrungen zurück zu früheren sind, sichtbar würden. Ein ähnlicher Lernprozess wie der, der bei den „Gastarbeiterkindern“ durchlaufen wurde, war auch bei den Aussiedlern und ihren Familien sichtbar.

Mit Beginn der 90er Jahre wurde die Erscheinung des „jugendlichen Rechtsextremismus“ in der Pädagogik diskutiert, dies geschah allerdings ohne das diese Diskussion Anschluss an der interkulturellen Erziehung nahm. Das Phänomen, dass die Diskurse des interkulturellen Lernens und der antirassistischen Erziehung, getrennt voneinander abgelaufen sind, ist darauf zurück zu führen, dass die antirassistische Erziehung als Konzeptbaustein in der Jugendarbeit gilt und die interkulturelle Erziehung vornehmlich im Praxisfeld Schule angesiedelt ist. Der in den späten 80er Jahren von dem Jugendforscher Heytmeyer (1987) aufgezeigte Anstieg von Rechtsextremismus unter Jugendlichen wurde mit Beginn der 90er Jahre auch für die breite Öffentlichkeit sichtbar. Dies löste, im Anbetracht der Zahlen über Straftaten gegen Ausländern im Verfassungsschutzbericht und der öffentlich zur Schau gestellten Gewaltattacken gegen Geschäfte, Unterkünfte und Wohnungen von Migranten, breite Diskussionen in der Öffentlichkeit aus. Im pädagogischen Dialog über angebrachte Handlungsstrategien „lässt sich von einer Fokussierung antirassistischer Erziehung sprechen“ (Einführung in die Interkulturelle Pädagogik S. 41).

Um 1990 kam es zu einer breiteren Übernahme von Rassismustheorien und antirassistischen Konzepten aus anderen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Entscheidend für diesen Entwicklungsabschnitt war auch der internationale Kongress zum Thema „Migration und Rassismus in Europa“, welcher im Herbst 1990 stattfand. Einen Perspektivenwechsel, weg von den Migranten, hin zu den pädagogischen Institutionen und den dort vorzufindenden Defiziten erreichte ein Programm der deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Titel FABER („Folgen der Arbeitsmigration für Bildung und Erziehung“). Etwa Zeitgleich kam eine „interkulturelle Öffnung“ der sozialen Dienste in die Diskussion, dies wurde ausgelöst durch ein Ende der 80er Jahre angefertigtes Gutachten. Dieses Gutachten Offenbarte, dass die sozialen Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände, in Folge der Entwicklung der Einwanderung, überfordert waren. In diesem Diskussionsrahmen wurde nun auch die interkulturelle Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte Inhalt der Erörterungen. Heinz Rommel eröffnete Mitte der 90er Jahre zu diesem Themenkomplex eine eigene Debatte.

Durch den Wandel und die verschiedenen Blickwinkel auf den Umgang mit Kindern aus anderen Kulturkreisen hat sich die pädagogische Arbeit in den letzten 40 Jahren nachhaltig verändert. Der in den letzten 10 Jahren entstandene Perspektivenwechsel mit Blick auf die interkulturelle Kompetenz sollte im Blick auf die sich stetig verändernden Bedingungen weiterhin hoch bemessen bleiben, denn die effektive Schulung der Fachkräfte hat eine immense Wichtigkeit im Umgang mit den verschiedenen Kulturen und der fortwährenden Veränderung der globalen Situation.

(Vgl.: Einführung Erziehungswissenschaften, Georg Auernheimer (Hrg.), S. 34 ff)

Demographische Entwicklung

Bedingt durch die Entwicklung der Bevölkerung in den letzten 100 Jahren und unter Beachtung der geschichtlichen Ereignisse, welche die Entwicklung dieser maßgeblich beeinflusst haben, ist derzeit ein großer Teil der Deutschen über 35 Jahre alt.

Um eine konstante demografische Entwicklung wieder herzustellen müsste jede Bundesbürgerin durchschnittlich 2,1 Kinder zur Welt bringen, da dies aber nicht der Fall ist, schrumpft die Bevölkerung langfristig gesehen. Bei einer derzeitigen Geburtenrate von etwa 1,354 Kindern pro Frau in Deutschland, Tendenz sinkend, entspricht die Differenz 0,746 Kind pro Bundesbürgerin! Dieser kontinuierliche Geburtenrückgang bedeutet eine Abnahme der Geburten um 10% in 4 Jahren.

In den nächsten 20 Jahren wird es eine Verschiebung der Altersgruppe der potentiellen Eltern geben, den geburtenstarken Jahrgängen von vor 1975 folgen die schwächeren Jahrgänge wodurch sich die Abnahme der Geburten bis 2020 auf 25% belaufen wird. Bei einer kontinuierlichen Geburtenrate von circa 1,40 Kindern pro Bürgerin würde sich das Verhältnis von alten und jungen Mitbürgern bis zum Jahr 2050 normalisieren. Nach 2050 wird sich der Aufbau der Bevölkerung nicht mehr wesentlich ändern, schmälert sich jedoch jährlich um
1,4 %.

(Vgl. Folienvortrag Prof. Hermann Adrian (www.unimainz.de/FB/Physik/AG/Adrian/hadrian .html.) – Notar Alex Adrian (www.Notar-Adrian.de) S. 2-5 )

Ab- und Zuwanderung aus der BRD

Ab- und Zuwanderungen sind ein fortwährender Prozess im Verlauf der menschheitsgeschichtlichen Entwicklung. Dies ist prägend für die Entwicklung Mitteleuropas und gerade Deutschlands. Diese Ab- und Zuwanderungen, ob nun wechselseitig oder einseitig lassen sich zurückverfolgen bis in die Jahre 400 n. Chr. und halten bis heute an. Dies zu unterbinden liegt, nach meinem Ermessen, nicht in unserer Hand und sollte als normaler Umstand anerkannt werden.

Deutschland gilt im weltweiten Vergleich wohl nicht als eines der lukrativsten Einwanderungsländer. Dies wird in Anbetracht der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung wohl immer deutlicher. Auch sind die bürokratischen Hürden, welche Einwanderer, die nach Deutschland möchten, meistern müssen, nicht ohne weiteres zu nehmen und bieten den Zuwandernden kaum ausreichend Chancen.

Die Abwanderung aus Deutschland, sei es nun die von Staatsbürgern oder ausländischen Mitbürgern, erhält jedoch einen immer größeren Reiz. Gerade junge und erfolgsorientierte Bürger verlassen ihre Heimat um in Ländern wie Spanien, Österreich, der Schweiz, den USA oder Großbritannien eine neue und bessere Existenz zu errichten. So verzeichnete Deutschland im Jahr 2001 eine Zuwanderung von 882.000 Menschen, die sich zusammensetzte aus 688.000 Ausländern, 87.000 Aussiedlern und 107.000 Deutschen. Bei einer Abwanderung von 608.000 Menschen, davon 110.000 Deutsche und 498.000 Ausländer. Unter Berücksichtigung der etwa 200.000 Saisonarbeitern ergibt sich eine Nettozuwanderung von 275.000 Menschen. Drei- bis viermal so viele Menschen müssten jährlich integriert werden um besagte 275.000 Einwanderer zu sichern.

(Vgl. Folienvortrag Prof. Hermann Adrian (www.unimainz.de/FB/Physik/AG/Adrian/hadrian .html.) – Notar Alex Adrian (www.Notar-Adrian.de) S. 36ff)

Absehbare demographische Entwicklung

Wenn es nun gelingen würde die Geburtenrate einer deutschen Bürgerin von den jetzigen 1,4 Kindern auf 2,1 Kinder zu heben, so gäbe es rechnerisch gesehen noch die Möglichkeit eine ausgewogene Schichtung der Altersstruktur zu erreichen. Um eine kontinuierlich gleich bleibende gesellschaftliche Schichtung zu erreichen ist eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Familie unumgänglich. Denn nur so kann eine stabile Gesellschaft entstehen. Eine Überbevölkerung, die bei einer zu hohen Geburtenrate auftreten kann, würde ebenso Nachteile in Wirtschaft und Infrastruktur mit sich bringen, wie die der jetzigen minimaleren Bevölkerungsstruktur. Beides ist für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, sowie für die Infrastruktur, von Nachteil.

Einhergehend mit dem Zustand der sich immer weiter verschmälernden deutschen Bevölkerung ist auch ein konstanter Anstieg des Altersquotienten zu verzeichnen. Dies führt zu einer zunehmenden Verschmälerung der jungen Bevölkerung. Die Erwerbstätigen würden in etwa 30 Jahren ungefähr die Hälfte ihres Einkommens in Renten- und Pflegeversicherungen bezahlen müssen. Aber nicht nur diese steigenden Lohnnebenkosten stellen eine immer höher werdende wirtschaftliche und ökonomische Gefahr dar, denn dies bedingt nicht nur eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit, sondern führt zur Deflation und könnte Deutschland, ähnlich wie Japan, in eine Wirtschaftskrise führen. Dies könnte eine ausreichende Geburtenrate von 2,1 Kindern verhindern, denn dadurch würden sich Wirtschaft und Gesellschaft stabilisieren (steigendes Realeinkommen und damit einhergehendes wirtschaftliches Wachstum), dies wiederum würde die Arbeitslosigkeit verringern und dadurch fallen die Lohnnebenkosten. .

Abgesehen von den etwa 6% aller Paaren die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen, steigt die Zahl derer, die aus anderen Gründen keinen Kinderwunsch hegen, kontinuierlich um etwa 2% im Jahr. In der Vergangenheit konnte dies dadurch kompensiert werden, dass die Frauen, welche Kinder bekamen, durchschnittlich mehr Kinder bekamen und aufzogen.

Da die familienpolitischen Rahmenbedingungen einem eventuell vorhandenen Kinderwunsch widersprechen, verzichten selbst Frauen und Paare mit vorhandenem Kinderwunsch auf die Fortpflanzung oder bekommen nur ein Kind. Dieser Zustand von Kinderlosigkeit oder der Ein- Kind- Familie ist heutzutage bei etwa der Hälfte aller Frauen und Paare die Realität. Frauen und Paare mit einem größeren Kinderwunsch erfüllen sich diesen, selbst wenn die Benachteiligungen immer größer werden.

Nicht nur in Deutschland werden zu wenig Kinder geboren. Dies ist auch ein Problem in anderen europäischen Ländern wie beispielsweise Italien, Spanien und Griechenland. Diese vier verzeichnen im Europäischen Raum die niedrigsten Geburtenraten im Europäischen Vergleich von 2001. Auch außerhalb der EU ist man dem Problem der Überbevölkerung Herr geworden, das Gegenteil scheint nun der Fall zu sein. Die UN geht davon aus das die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2100 auf etwa 9 Milliarden Menschen ansteigt und dann zu schrumpfen beginnt.

(Vgl. Folienvortrag Prof. Hermann Adrian (www.unimainz.de/FB/Physik/AG/Adrian/hadrian .html.) – Notar Alex Adrian (www.Notar-Adrian.de) S. 6 ff )

Bürokratische Hürden der Ein- und Zuwanderung

Etwa 190.000 Menschen leben in Deutschland mit einer Duldung und sind, falls diese widerrufen wird, von der Abschiebung in ihr Heimatland bedroht. Der größte Teil dieser Leute ist seit mehr als fünf Jahren von dieser Situation bedroht und sitzt somit „auf gepackten Koffern“ (www2.amnasty.de). Die so genannte Duldung muss von den Betroffenen aller drei bzw. sechs Monate verlängert werden und die Betroffenen haben keinen Anspruch auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, es sei denn, es interessiert sich für die Stelle kein Deutscher oder EU-Ausländer. Um diese als „Kettenduldungen“ (www2.amnasty.de) bezeichnete Vorgehensweise abzulösen, wurde 2004 ein Zuwanderungsgesetz verabschiedet. Eine neue Regelung im Ausländerrecht besagt nun, dass eine Person, welche seit über einem Jahr in der Bundesrepublik geduldet ist, das Aufenthaltsrecht erhalten kann. Die Personen, welche freiwillig aus Deutschland ausreisen könnten, fielen jedoch nicht unter diese Regelung. Freiwillig ausreisen kann fast jeder der dazu physisch und psychisch in der Lage ist. Wer jedoch in seiner Heimat durch Hunger, Elend und Krieg bedroht ist wird in Deutschland weiter geduldet, denn eine Abschiebung kommt wegen der Verhältnisse in den Heimatländern nicht in Frage.

Mit dem Zusammenschluss der neuen Regierung im Herbst 2005 sollte diese Regelung neu bearbeitet werden. Die Neuverfassung der Innenminister war jedoch ebenfalls nicht zufriedenstellend und löste heftige Proteste bei verschiedensten Organisationen wie Kirche, Pro Asyl, amnesty international usw. aus. Nur die Asylbewerber die einen Arbeitsplatz vorweisen können sollten eine dauerhafte Arbeitsgenehmigung erhalten. Müntefering (Arbeits- und Sozialminister) und Schäuble (Bundesinnenminister) schlossen jedoch am 14. November unerwartet einen Kompromiss, welcher besagt, dass unabhängig vom eigenen Verdienst jeder eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis erhält, sofern er/sie seit acht Jahren (geltend für alleinstehende) oder seit sechs Jahren (geltend für Familien) in Deutschland lebt.

Bei der Innenministerkonferenz, die wenige Tage nach diesem neuen Beschluss stattfand, wurde deutlich, dass wesentlich weniger Menschen als angekündigt einen dauerhaften Aufenthaltsstatus erreichen werden. Auch ist diese Aufenthaltsgenehmigung an die Sicherung des eigenen Lebensunterhaltes gekoppelt, nur wer arbeitet bekommt sofort die Genehmigung zum Aufenthalt. Die anderen müssen bis zum 30. September ein Arbeitsangebot nachweisen. Dies gestaltet sich bei der Situation des deutschen Arbeitsmarktes natürlich als schwierig. Auch gelten „weitgehende Ausschlussgründe“, (www2.amnasty.de) welche auch zu einer Verweigerung des Aufenthaltsrechtes führen können. Dazu zählen „Bezüge zum Extremismus und Terrorismus“ (www2.amnasty.de) und dieser Vorwurf kann allein wegen seiner weitläufigen Definition viele treffen die sich um einen dauerhaften Aufenthalt bemühen. Diese Regelungen sind nicht zufriedenstellend und behindern ein zusammenwachsen unterschiedlicher Kulturen und Menschen eher, als sie diesen Prozess dienlich sind.

(Vgl. www2.amnasty.de)

Methoden zur interkulturellen Bildung in Deutschland

Interkulturelle Bildung ist ein Bereich in der Pädagogik der seit nunmehr über 30 Jahren heiß diskutiert wird. Aber noch immer ist das Feld der speziell, für diesen Zweig der Pädagogik, geschulten Fachfrauen und –männer nur spärlich besiedelt. Seit den späten 80er Jahren gibt es an verschiedenen Hochschulen in Deutschland Studiengänge, die sich mit Interkultureller Pädagogik, Interkultureller Germanistik, Interkultureller Kommunikationswissenschaft, Interkultureller Wirtschaftskommunikation usw. befassen. Hier konnten sich in den letzten Jahren eigenständige Ausbildungsgänge und ganz neue Berufsbilder etablieren. Hier ausgebildete stehen nun seit etwa 10 Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Dies ist natürlich keine lange Zeit, aber jede Entwicklung braucht nun einmal ihren eigenen Prozess. Wichtig sind hier nun Ausbilder und Berater, die sich in ihrer Arbeit den ErzieherInnen und LehrerInnen annehmen, denn viel zu schnell können noch so gut gemeinte Mittel und Methoden in der interkulturellen Arbeit das Gegenteil bewirken und Ethnozentrismus, Fremdenfeindlichkeit oder Stereotype verstärken.

Die Studiengänge für Lehramt finden im Kontext zur interkulturellen Arbeit an den Universitäten bislang kaum bis keine Beachtung. Es gibt zwar entsprechende Studiengänge, allerdings werden diese oftmals zur Überbrückung von Wartesemestern genutzt. Demzufolge findet das gelernte in der späteren Arbeit kaum Beachtung. Auch sind die oben bereits genannten Studienangeboten für Magister- und Diplomstudiengänge ausgelegt, finden also bei den angehenden LehrerInnen wenig bis keine Berücksichtigung.

Auch die in der Kultusministerkonferenz angesprochenen „Empfehlungen zur Interkulturellen Bildung und Erziehung“ sieht bislang kein Studienfach mit interkultureller Ausrichtung vor. Vielmehr soll die „Einbindung des interkulturellen Aspekts in die zweite Phase der Lehrerausbildung und in die Lehrerfortbildung, u.a. durch eine Verstärkung schulnaher und schulinterner Fortbildung“ geschehen. Wie dies sich bei der Realisierung gestalten soll ist jedoch noch nicht hinreichend geklärt. Auch sind inhaltliche und organisatorische Fragen noch weitestgehend offen. Dies behindert hier natürlich eine rasche Umsetzung vor Ort. Gut sichtbar ist dies am, speziell uns betreffenden, Beispiel Thüringens.

Hier wurde im Schuljahr 2000/2001 in den 10. Klassen der Realschulen und Gymnasien interkulturelles Lernen als Unterrichtsbestandteil im Fach Ethik eingeführt. So positiv dieses Vorgehen bewertet werden kann, so zeigte sich hierbei jedoch schnell die Überforderung bei den Lehrkräften vor Ort. Denn Unterrichtsmaterialen zum Thema sind schwer zu beschaffen, somit lag die Erarbeitung dieser Stoffpläne in der Hand der, in den meisten Fällen, noch ungeschulten LehrerInnen. Dass diese, ein solch enormes Arbeitspensum nicht leisten konnten liegt auf der Hand. Auch gestaltet sich die Umsetzung interkultureller Erziehung, in einem den Ethikunterricht betreffenden Rahmen als eher problematisch. Interkulturelle Erziehung sollte, wie auch von der Kultusministerkonferenz angesprochen „eine Querschnittsaufgabe in der Schule“ sein. Die Vorgehensweise, interkulturelle Erziehung als „Querschnittangebot“ umzusetzen ist in der Schlussfolgerung richtig. Denn interkulturelle Kompetenz steht nie für sich alleine, sondern steht neben den verschiedenen anderen Kompetenzen wie sozialer, emotionaler und fachlicher Kompetenz und ergänzt diese. Durch die Förderung interkultureller Möglichkeiten können die anderen Kompetenzbereiche ausgebaut und erweitert werden und erhalten somit eine höhere Qualität.

Durch eine Beschränkung auf ein spezielles Schulfach kann dies nicht gewährleistet werden. Eine Fächerübergreifende Einbindung interkultureller Inhalte kann diese wiederum aufwerten. So beispielsweise der Deutschunterricht, hier kann ausländische wie deutsche Literatur beleuchtet und verfolgt werden. Auch in der Mathematik kann eine Arbeit mit verschiedener mathematischer Symbolik interkulturelle Inhalte vermitteln, im Fremdsprachenunterricht können Lebensart und Lebensweise in anderen Kulturen erarbeitet werden, dies kann spezifische interkulturelle Erfahrungswerte herbeiführen. Diese Liste kann um nahezu jedes beliebige Fach erweitert werden.

Hier stößt nun unser derzeitiges Unterrichtssystem an seine Grenzen, da eine Fächer- und Lerninhalte übergreifende Arbeit durch die Abgrenzung der einzelnen Schulfächer nur bedingt möglich ist.

Auch ein praktischer Bezug in der interkulturellen Erziehung unserer Kinder ist an dieser Stelle nicht zu unterschätzen. Anders als in den alten Bundesländern, in denen Prozentual mehr Menschen anderer Herkunft leben, gibt es natürlich auch mehr Schüler mit Migrationshintergrund. Hier ist nun neben dem interkulturellen Lernen auch ein Bilinguales Lernen möglich. Dies ist in dieser Art und Weise bei uns, in den neuen Bundesländern, nicht gegeben. Hier müssen andere Methoden gefunden werden um interkulturelle Inhalte für die Schüler greifbar zu machen. Hier sind die vielerorts bereits gepflegten Schulpartnerschaften ein gutes Mittel um diese Erfahrungen greifbar zu machen.

Die hier angerissenen und dargestellten Arbeitsformen stammen aus der Praxis im sekundären Bildungsbereich, für die Arbeit im primärschulischen Bereich gibt es augenscheinlich noch weniger angewandte Methodiken. Hierbei wird der noch bestehende Handlungsbedarf nur all zu deutlich.

(Vgl. Einführung Erziehungswissenschaften, Georg Auernheimer; PDF Thesen zum interkulturellen Lernen in der Schule, Jürgen Bolten (Jena), (aus: J.Bolten/ D.Schröter (Hg.))

Meine eigenen Erfahrungen zum Thema mit den Kindern der Evangelischen Grundschule Eisenach

Die Evangelische Grundschule Eisenach arbeitet im christlichen Glauben und orientiert sich in ihrer Arbeit natürlich auch am Thüringer Bildungsplan. So erlebten die Kinder aller Klassen bereits im Januar 2007 ein Schulprojekt, rund um das Thema Paraguay. Hier arbeiteten die Kinder in verschiedenen Projektgruppen zu dem Thema und präsentierten ihr erworbenes Wissen in einem gemeinsamen Projektabschluss. Die Kinder haben im Rahmen von interkultureller Bildung bereits Erfahrungen sammeln können und konnten erleben, wie in anderen Gebieten unserer Erde gelebt wird.

Ich entschied mich, in der Vorbereitung auf mein Praktikum, an der Evangelischen Grundschule Eisenach, dazu mit den Kindern zu dem Thema interkulturelle Bildung zu arbeiten. Die nachstehende Ideenfindung gestaltete sich für mich ungemein problematischer, da ich mir über den eigentlichen Rahmen des Projektes klar werden musste. In meinen ersten Ideen beschäftigte ich mich noch mit der Vorstellung über ein Afrikaprojekt, erkannte jedoch schnell, dass dies im Rahmen meiner Möglichkeiten schwer zu gestalten ist. Auch stellte ich fest, dass der eigentliche Bezug zu den Kindern meiner Grundschulklasse schwierig herzustellen wäre. So wandelte sich die Projektidee hin zu einem Projekt über Flüchtlinge, wie sie auch in Deutschland leben könnten. Hier konnte ich nun auch einen Bezug zu Eisenach herstellen, da sich auf der Thälmannstraße eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge befindet.

Im Projekt beschäftigten sich die Kinder vorerst mit der Situation auf unserer Erde und auch mit dem Sachverhalt, dass viele Menschen aus verschiedensten Gründen heraus, ihre Heimat verlassen müssen, sich also auf der Flucht befinden. Mit einem Kinderbuch, was die Thematik von Flucht aufgreift, konnte ich den Kindern die Situation der betroffenen verdeutlichen. Anhand ihres Verhaltens, bei der Buchvorstellung, konnte ich gut die Bestürzung der Kinder bezüglich der Thematik erkennen. Auch spielte ich mit den Kindern Spiele, die ihnen die Verschiedenheit von Kulturstandards näher brachten. Den Kindern gelang es dabei gut, Gefühle nach zu empfinden, welche in Situationen der Fremdheit auftreten können. In einer Portfolie, welche ich aus Arbeitsmaterialien zum Buch und einem Magazin der „Sternsinger“ selbst zusammenstellte, ließ ich die Kinder verschiedene Arbeitsaufträge zur Problematik bearbeiten. Im Projektabschluss bastelten die Kinder Strohpuppen und Rasseln. Die Strohpuppen sind ähnlich den Spielmaterialien die Kinder in den Flüchtlingslagern zum Spielen nutzten. Die Rasseln sind typische Instrumente und werden von den Kindern mit Materialien gefüllt, wie sie auch in Afrika wachsen oder zum Kochen genutzt werden.

Die Erarbeitung des Projektes war ebenfalls schwierig. Literatur zu diesem Thema ist in städtischen Bibliotheken gar nicht zu finden. In den Bibliotheken der Universitäten im Umkreis gibt es einzelne Bücher, die entweder sehr alt oder von Studenten entliehen sind. So habe ich eigene Bücher über das Internet gekauft, doch auch hier war die Auswahl nicht sehr groß.

Als positiv erlebte ich die Zusammenarbeit mit Frau Lang von der Interkulturellen Begegnungsstätte Eisenach. Frau Lang ist dort seit Jahren ehrenamtlich tätig, so dass sie mir vielfältigste Materialien für mein Projekt zur Verfügung stellen konnte.

Verschiedene kulturelle Einflüsse in der BRD

Kein Staat auf dieser Welt kann sich den kulturellen Einflüssen Anderer erwehren. So ist auch die deutsche Entwicklung maßgeblich durch andere Kulturen beeinflusst. Deutschland besteht in seiner jetzigen Form (mit 16 Bundesländern) seit der Vereinigung von BRD und DDR vor 17 Jahren. Vorher war der so genannte Osten maßgeblich von der sozialistischen Sowjetunion geprägt, währenddessen der westliche Teil Deutschlands von den eher marktwirtschaftlich, kapitalistischen Westmächten USA, Großbritannien und Frankreich beeinflusst wurde. Doch auch schon vor mehreren Jahrhunderten wurde das damalige Deutschland bzw. das Deutsche Reich von vielfältigsten Einflüssen unterschiedlichster Herkunft beeinflusst und geprägt.

Da die Einflüsse auf die heutige deutsche Kultur sehr weitläufig und vielfältig sind, möchte ich nachfolgend anhand dreier Bereiche einen kurzen Überblick darüber geben.

Als erstes möchte ich anhand der Nahrungsmittel, welche heutzutage als einheimisch und alltäglich zählen, die kulturellen Einflüsse aufzeigen. Da wäre zum einen die Zwiebel, kaum jemand weiß, dass die Zwiebel eine der ältesten Gemüsearten ist, die der Mensch als Nahrungsmittel kultiviert hat. Schriftlich erwähnt wurde die Zwiebel erstmals zu Zeiten der Babylonier und Assyrer. Auch Joghurt kommt nicht aus Deutschland, sondern ist eine türkische Erfindung. Grüne Bohnen kommen ursprünglich aus Südamerika. Selbst Schweinefleisch wurde bereits im 6.Jhd v. Chr. in Asien als Nahrungsmittel genutzt. Weizenmehl stammt ursprünglich aus Äthiopien und Kleinasien, Pflaumen aus Anatolien, Persien und dem Kaukasus. Spinat stammt ebenfalls aus Persien und auch die in Deutschland als Grundnahrungsmittel geschätzte Kartoffel hat ihren Ursprung in der Nazca- und Mochekultur der Indianer und wurde erst im 16.Jhd von spanischen Eroberern nach Europa gebracht.

Als zweites Beispiel möchte ich die deutsche Sprache anbringen, in der es nur so von übernommenen Begriffen und Wörtern aus anderen Kulturen wimmelt. Die deutsche Sprache entwickelte sich erst mit dem ausgehenden Mittelalter, aufgrund der Einführung einer Schulpflicht. Viele Wörter wurden von reisenden Händlern eingeführt und von den Deutschen in ihren Wortschatz übernommen. Beispiele dafür finden sich in jedem Wörterbuch. Vergleichbar wenige Wörter die sich im heutigen Sprachgebrauch befinden, haben tatsächlich eine deutsche bzw. germanische Abstammung. Beispiele hierfür sind das Wort Sofa, welches aus dem Orient übernommen wurde, oder Zucker, welches von den Mauren im 12.Jhd nach Deutschland gebracht wurde. Der Begriff Tee stammt aus China und die Matratze wurde als Begriff aus dem arabischen Raum importiert.

Als drittes Beispiel möchte ich nun die Herkunft unserer Werte- und Moralvorstellungen näher beleuchten. Das Christentum, auf welches sich Europa und Deutschland als Wertgrundlage beruft, hat seinen Ursprung im Gebiet des heutigen Israels und hat sich erst im Laufe von Jahrhunderten über alle Welt verteilt. Aber auch Menschen-/Grundrechte in unserer heutigen Verfassung wurden von anderen Kulturen übernommen. Die Gleichheit aller Menschen als Grundidee des Zusammenlebens entwickelte sich schon im 17.Jhd in den Niederlanden und Frankreich, aber auch in England, in Deutschland wurden diese Erkenntnisse erstmals 1849 mit der Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetz in der Paulskirchenverfassung festgeschrieben. 1919 wurde dies um die Gleichheit von Frau und Mann bei bürgerlichen Rechten und Pflichten in der Weimarer Reichsverfassung erweitert. Erst 1949 wurde die Gleichheit aller Menschen im Grundgesetz aufgenommen. Zum Vergleich dazu steht schon in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1776 das alle Menschen gleich sind.

In allen drei Beispielen habe ich versucht zu verdeutlichen, wie sehr die deutsche Kultur in ihrer Historie von anderen Kulturen beeinflusst wurde. Die Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, aber sie sind ein wichtiger Beleg dafür, dass es so etwas wie eine homogene Kulturalität nicht gibt und fremde Einflüsse eine Kultur nicht zerstören, sondern ihre Entwicklung und Bereicherung bedingen und fördern. Dieses Wissen gilt es, meiner Meinung nach, zu vermitteln und zu verbreiten, da es dazu beiträgt Vorurteile abzubauen und das Erkennen der eigenen Identität zu ermöglichen.

(Vgl.: Unser ausländischer Alltag, S.10 ff)

Integration

Wie ich bereits weiter oben aufgezeigt habe, ist Deutschland von vielfältigsten Einflüssen anderer Kulturen geprägt. Ziel einer guten Integration sollte immer eine Gleichberechtigung und Teilhabe der Integrierten am sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben bedeuten. Dies sollte jedoch keinesfalls mit einer völligen Anpassung der Integrierten an das bestehende System verwechselt werden. Dies würde eine Assimilation bedeuten und die Kultur der Zugewanderten im Übermaß einschränken und zerstören. Diese Form, der Anpassung an das bestehende System, ist leider immer noch ein gängiges Modell in der deutschen Politik und sollte in Anbetracht der jetzigen Lage und der zukünftigen Aussichten unbedingt überdacht werden.

Seit 01.01.2005 existierten neue Richtlinien für Integration und Zuwanderung die im so genannten Zuwanderungsgesetz zusammengefasst sind. Hier sind nun erstmals wesentliche konzeptionelle Steuerungsaufgaben bei dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geregelt. Diese Steuerungsaufgaben beinhalten die Konzeption und Durchführung der Integrationskurse, die Ausbildung und Zulassung der hier eingesetzten Lehrkräfte, Zulassung der Teilnehmer dieser Kurse, Auswahl und Erarbeitung der Integrationstests und des Lehrmaterials. Außerdem kontrolliert das Bundesamt die Umsetzung der Integrationsvorgaben bei den 23 Regionalstellen vor Ort und erstellt Informationsmaterialien über Integrationsangebote in Deutschland. Überdies ist das Bundesamt Anlaufstelle für gemeinnützige Projekte und Vereine deren Ziel die gesellschaftliche Integration von Migranten ist. Ferner ist es für die Verteilung von Fördergeldern und Hilfsmaßnahmen verantwortlich.

Mit der Schaffung dieser Strukturen und einer einheitlichen Regelung um Migranten in das gesellschaftliche und politische System integrieren zu können ist ein wichtiger Schritt gemacht worden. Dabei darf es allerdings nicht bleiben, denn eine Wahre Integration kann nicht von dem Bund vorgeschrieben werden, sondern beginnt bei jedem einzelnen selbst.

(Vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/Integration_(Soziologie), http://www.bamf.de/nn_566316/DE/Integration/integration-node.html__nnn=true)

Resümee

Interkulturelle Bildung ist ein Bereich der zwar seit mehreren Jahren im Fokus verschiedenster Diskussionen steht, jedoch in der Praxis der Primärpädagogik leider zu wenig Beachtung findet. Auch gestaltet sich die Beschaffung von Arbeitsmaterialien und Literatur zum Thema schwierig, dies erschwert den Einstieg der Pädagogen in dieses Praxisfeld ungemein. Durch die Berücksichtigung soziokultureller und somit auch interkultureller Bildungsinhalte in den Bildungsplänen der einzelnen Bundesländern wird sich dieser Umstand hoffentlich in den nächsten Jahren ändern. Anders gestaltet dies sich im tertiären Bildungsweg, dort gibt es vielfältige Angebote für Interessierte zur privaten Fortbildung.

Meiner Meinung nach findet in christlichen Einrichtungen, auch bedingt durch die oftmals enge Verbindung zu den Kirchgemeinden und der dortigen Arbeit, bereits vermehrt interkulturelles Lernen statt. Die Kinder erfahren im Jahreskreis und den Höhepunkten die diesen bestimmen, etwas von Menschen und deren momentaner Situation. Mir bekannte Kindertagesstätten nehmen zu Weihnachten beispielsweise an Hilfsaktionen für Kinder in Rumänien Teil oder teilen zu Sankt Martin mit Menschen in ihrer direkten Umgebung. Unter dem aktuellen Bezug zur Heiligen Elisabeth haben auch die Kinder der Evangelischen Grundschule Eisenach Nächstenliebe zelebriert und sind auf „Den Spuren der Barmherzigkeit“ gewandelt. Hierbei waren sie in der unmittelbaren Umgebung Eisenachs unterwegs und besuchten ein Altenpflegeheim, die Suppenküche und auch die Gemeinschaftsunterkunft auf der Thälmannstraße. Dort schenkten sie den Kindern Spielzeug und sangen mit ihnen Lieder. In der religiösen Erziehung im sekundärschulischen Bereich beschäftigen sich die Schüler mit den drei großen monotheistischen Glaubensrichtungen, dem Judentum, dem Christentum und dem Islam. Durch die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Werten und Kulturstandards in den Religionen kann an dieser Stelle der Anspruch der interkulturellen Erziehung erfüllt werden.

(Vgl. PDF, Lift Lernangebote, www.lift-web.de)

Diese Auseinandersetzung, ist gerade unter dem Gesichtspunkt einer multikulturellen Gesellschaft, von enormer Wichtigkeit. Nur so können wir unsere Kinder auf das Leben in dieser Gesellschaft vorbereiten und sie vor unbegründeten Vorurteilen und Alltagsrassismus bewahren. Wenn die Menschen in unserer Gesellschaft erkennen, das andere Kulturen keineswegs die Absicht besitzen uns zu unterwandern oder gar unser gesellschaftliches System zu zerstören haben wir eine Chance im neuem Europa zu bestehen.

Die Art und Weise, in welcher Integration von dem Bund, Ländern und Kreisen praktiziert wird, ist in den meisten Fällen unzureichend. Zahlreiche Migranten in den verschiedensten Gebieten Deutschlands leben bis heute unter äußerst fragwürdigen Strukturen in einem Land, welches ihnen Schutz und Unterkunft bieten sollte. So gibt es Sammellager und Gemeinschaftsunterkünfte in denen Asylbewerber, manchmal über Jahre hinweg, ihr Dasein fristen. Das Leben dort gestaltet sich unpersönlich und manche von ihnen haben weniger als 6m² Wohnfläche zur Verfügung, das Einkaufen von Lebensmitteln ist nur mit Gutscheinen möglich und eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in der jeweiligen Gemeinde ist mit einem Taschengeld von 40 Euro für Erwachsene und 20 Euro für Kinder bei den momentanen Preisen kaum möglich. Auch dürfen sich die Asylbewerber nur in den jeweiligen Kreisen frei bewegen, in denen sie gemeldet sind. Falls sie Diesen verlassen möchten, müssen sie einen Antrag stellen, der natürlich von der zuständigen Behörde auch abgelehnt werden kann. So gestaltet sich das Leben von Asylbewerbern praktisch wie ein „offenes Gefängnis“ (Stoppt Rassismus, Gemeinsam für Respekt, Anerkennung und Gleiche Rechte, S.5). Das dies nicht immer der Fall ist zeigt sich am Beispiel Erfurt. Dort leben Asylbewerber, nicht wie hier in Eisenach in Gemeinschaftsunterkünften, sondern werden einzeln untergebracht, auch erhalten viele der Betroffenen Barleistungen anstatt von Einkaufsgutscheinen. Diese Art der Unterbringung ist in den Kosten sogar niedriger und erhöht den Lebensstandard der Asylbewerber ungemein. Fraglich bleibt für mich in Anbetracht dieser Tatsache jedoch, weshalb solch umständliche Praktiken immer noch an der Tagesordnung sind wo sie doch eine interkulturelle Entwicklung so sehr behindern.

(Vgl. EAZ- Eisenacher Alternative Zeitung, Zeitung des EA- Eisenacher Aufbruch, Situation der Asylbewerber in Eisenach, S.7)

Die Erkenntnis, dass andere Kulturen uns in Wirklichkeit bereichern, und jedes Kultursystem seine Besonderheiten besitzt, diese jedoch niemals unterbunden werden können, sondern sich durch das jeweilige Umfeld verändern, somit mannigfache Kulturen aufeinander abfärben wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung. So könnte Interkulturalität bei jedem Einzelnen beginnen.

Quellen

Literaturquellen

Einführung Erziehungswissenschaften, Georg Auernheimer (Hrg.), Einführung in die Interkulturelle Pädagogik, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 4. Auflage 2003
Interkulturelle Kommunikation, Sammlung praktischer Spiele und Übungen, Helga Losche, Verlag ZIEL- Zentrum für interdisziplinäres erfahrungsorientiertes Lernen GmbH, 4. Auflage 2005
Interkulturelle Pädagogik: Methodenhandbuch für sozialpädagogische Berufe/ Ellen Johann; Hildegard Michely; Monika Springer. –1. Auflage, 1. Druck- Berlin: Cornelsen, 1998
Kinder aus aller Welt, Barnabas und Anabel Kindersley, Loewe Verlag GmbH, Bindlach 1995, 9. Auflage 2004
Kinder dieser Welt, Dorling Kindersley Verlag GmbH, Starnberg, 2003
Wahrig Fremdwörterlexikon 2, Bertelsmann Lexikon Institut, 5. Auflage 2004
Thüringer Bildungsplan
Unser ausländischer Alltag, Fremde brauchen Freunde. Wir auch. Herausgeber: Der Landesbeauftragte für Ausländerfragen der Landes Thüringen, Weimar Druck GmbH, Weimar 1993
Stoppt Rassismus, Gemeinsam für Respekt, Anerkennung und gleiche Rechte, Eine Infobroschüre für junge Leute und andere Interessierte
EAZ- Eisenacher Alternative Zeitung, Zeitung des EA- Eisenacher Aufbruch, Nr. 2/2006, 13. November 2006

Internetquellen

(Vgl. Folienvortrag Prof. Hermann Adrian (www.unimainz.de/FB/Physik/AG/Adrian/hadrian .html.) – Notar Alex Adrian (www.Notar-Adrian.de)

http://de.wikipedia.org/wiki/interkulturelles_lernen

http://de.wikipedia.org/wiki/soziokulturell

www2.amnasty.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Integration_(Soziologie)

http://www.bamf.de/nn_566316/DE/Integration/integration-node.html__nnn=true

PDF, Lift Lernangebote, Beispiel 6: Lernmodul interkulturelle Bildung, „Feste der Religion“ , www.lift-web.de

PDF, Susanne Prediger, Joachim Schroeder, Mit der Vielfalt rechnen, Interkulturelles Lernen im Mathematikunterricht

PDF, Thesen zum interkulturellen Lernen in der Schule, Jürgen Bolten (Jena),
(aus: J.Bolten/ D.Schröter (Hg.), Interkulturelle Kommunikation. Sternenfels/ Berlin 2001)

Daniela Roßberg





Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: